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Auf Futtersuche mit dem Keiler
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Es musste ja so kommen. Wir sind sehr früh aufgestanden, unsere Rucksäcke hatten wir schon am Vorabend gepackt, so dass wir nur noch am Morgen aus der Singgahsana Lodge, die wir nun bereits eine Woche bewohnten, auschecken müssten und schon wären wir wieder auf dem Weg zum Bako Nationalpark gewesen. Was erwartete uns beim Blick aus dem Fenster? Regen! Die letzte Woche, in der wir keine Unterkunft im Nationalpark bekommen konnten, war herrlicher Sonnenschein und es fielen nur ab und zu ein paar Tropfen vom Himmel. Wir nutzen diese Tage um unseren Sonnenbrand und die zahlreichen Bisse von Insekten zu kurieren, schauten uns diverse Ecken der Stadt an und probierten kulinarische Köstlichkeiten der Region.

Der Blick aus dem Fenster machte nun unsere Pläne, diesmal trockenen Fusses in den Nationalpark zu kommen, zunichte. Wir setzen uns in die Rooftop-Bar der Lodge und aßen erstmal gemütlich Frühstück. In der Singgahsana Lodge besteht das Frühstück, welches im Übernachtungspreis mit inbegriffen ist, nicht aus Reis und Nudel mit scharfer Soße wie sonst überall, sondern aus Melone, Vollkorntoast mit Marmelade und Kaffee. Beim Blick von der überdachten Rooftop-Bar, sahen wir wie der starke Regen über die Dächer Kuchings niederprasselte.
Es nützte nichts, wir mussten los. Wir schnappten unsere Sachen und gingen durch die glücklicherweise überdachten Gassen, in denen Händler ihre Waren verkauften. Als wir am Bus ankamen, waren wir die Einzigen. Nicht einmal der Busfahrer war da. Also setzten wir uns in den Bus und warteten auf ihn. Nach einiger Zeit kam der Fahrer, kassierte uns ab und zog sich eine Jacke an. Er stellte die Klimaanlage so kalt, dass wir sofort Gänsehaut bekamen. Vierzig Minuten fuhren wir nun zitternd am ganzen Körper, weil wir an diesen schwül warmen Tag extra wenig angezogen hatten, damit wir während der Bootsfahrt nicht gleich wieder alle Sachen durchnässt hätten. Es würde uns eine Lehre sein, während einer Busfahrt immer eine lange Hose und feste Schuhe anzuhaben und eine Jacke griffbereit.
Als wir am Bootssteg in Bako Bazaar ankamen, fragten uns die Mitarbeiter des Bootsservice wie lange wir im Nationalpark bleiben wollen. Nachdem wir sagten, dass wir vorhatten sechs Nächte zu bleiben, brachen sie in Gelächter aus. Die meisten Leute bleiben eine oder zwei Nächte, dann hatten sie genug davon ohne Internet, warmes Wasser oder mit Krabbeltieren zu leben. Wir aber fühlten uns sehr wohl und waren damit wahre Exoten.

Der Ton ist leider schlecht, weil es mit wasserdichten Gehäuse gefilmt wurde.

Es tröpfelte nur ein wenig, als wir ins Boot einstiegen. Vorbei an den Fischern, die ihre Netze einholten, fuhren wir über die Flussmündung an der Küste des Südchinesischen Meeres entlang in Richtung Nationalpark. Es kam Wind auf und der Wellengang wurde stärker. Bei jedem Aufprall auf eine Welle, wurde das Boot in die Luft geworfen und wir verspürten einen kurzen Moment der Schwerelosigkeit. Abwechselnd schauten Sarina und ich den Bootsführer besorgt an, dieser lachte aber nur sehr amüsiert. Irgendwann wurde es aber auch ihm zu heikel und er bremste bei den großen Wellen ab. Es war glücklicherweise Flut, so dass unser Fahrer in eine kleine Bucht biegen und uns an einen Bootssteg aussteigen lassen konnte. Als wir mit beiden Beinen auf dem Bootssteg standen und unsere Rücksäcke aufschnallten, überkam uns ein gutes Gefühl. Wir freuten uns sehr die Nasenaffen und Bartschweine wiederzusehen und hofften, dass sich auch die Silberlanguren zeigen würden.

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Auf dem Weg zum Headquarter, wo wir uns registrieren lassen mussten, fragte ich Sarina scherzhaft „Freust du dich auch die Makaken wiederzusehen?“ Ich kannte die Antwort eigentlich schon. Sarina mag die Makaken nicht besonders und das hat zugegeben auch seine Gründe. Sie klauen, versuchen in die Häuser einzubrechen und sind sehr frech. Ich finde sie gerade deswegen interessant. Wenn sie Leute mit Plastiktüten den Weg entlang gehen sehen, laufen sie hinterher, machen ihre Drohgebärde und reißen schnell und kraftvoll an den Tüten. Kommt nun ein oder gar mehrere Makaken auf einen zugelaufen, reißt die Augenbrauen hoch und den Mund auf und schreien ihr Opfer an, lassen viele erschrocken die Tüte los und die Makaken haben Beute gemacht. Sie klauen auch sehr gerne süße Getränke. Dabei ist es auch egal ob Dose oder Flasche, die klugen Makaken kriegen alles auf. Wasserflaschen wecken allerdings nicht ihr Interesse.
Die Mitarbeiterin des Nationalparks schob den Schlüssel über den Tresen und zeigte uns auf der Karte, wo sich unser Haus befand. Wir waren ein bisschen enttäuscht, weil wir dieses Mal keine alte Holzhütte direkt im Wald bewohnten, sondern ein neueres Haus an der Küste.

Der Ton ist leider schlecht, weil es mit wasserdichten Gehäuse gefilmt wurde.

Die Hütten im Wald hatten definitiv mehr Charme. Sie waren zwar feucht, schmutzig und alles war schimmlig, aber so ist es nunmal im Dschungel. In den Momenten, in denen man nichts Trockenes anzuziehen hat, weil sich alles vollgesaugt hat, man sieht wie große Spinnen einem vor die Füße laufen, während man auf dem Klo sitzt, die Geckos in der Nacht leere Getränkedosen umherschmeißen oder man den Bezug seines Kissens abzieht und feststellt, dass man eigentlich nur auf einem großen Schimmelpilz liegt, in diesen Momenten läuft es einem kalt den Rücken runter. Es sind aber genau die Momente, die man später weitererzählt.

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Nicht die gemütlichsten, aber die stilvollsten Behausungen – die Regenwaldhütten

Wir hörten lauten Krach vor unserer Tür und ich sagte zu Sarina „Die Makaken sind da!“ Ich schaute raus und hatte mit meiner Vermutung recht, eine große Makakengruppe zog an unserem Haus vorbei. Wir gingen vor die Tür, um die Gruppe ein wenig zu beobachten. Es waren mindesten fünfzehn Affen, die über die Veranda liefen, sich kurz lausten oder auf dem Rasen nach Insekten suchten. Ein jüngerer Makak fiel uns besonders auf, weil er nur ein Auge hatte. Das er nicht anders als alle anderen Gruppenmitglieder behandelt wurde, war sehr interessant mitanzusehen.

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Die Gruppe zog weiter und wir beschlossen nach der Grünen Pit Viper zu sehen, die wir bei unseren ersten Besuch entdeckten. Sie hing noch genauso da, wie vor zwei Wochen. Wir überlegten, ob sie wohl bald Beute machen würde, als wir durch ein Rascheln aus den Gedanken gerissen wurden. Wir guckten auf ein Gebüsch, in dem irgendetwas Großes zu sein schien. Wir gingen näher und warteten gespannt, was wir gleich entdecken würden. Der Busch bebte förmlich, dann war plötzlich Ruhe. Wir hielten vor Spannung den Atem an, da schaute eine Nase aus dem Busch und schupperte. Es war ein Bartschwein. Ich hockte mich hin, um mit dem Keiler auf Augenhöhe zu sein. Sarina nahm vorsorglich etwas Abstand. Ihr war der wohlgenährte Keiler mit seinen großen Hauern nicht ganz geheuer. Der Keiler musterte mich und kam langsam auf mich zu. Die Nase wurde in alle Richtungen gestreckt, als wenn sie etwas suchen würde. Nun war er ganz dicht und ich sah was er wollte. Irgendjemand hatte hier eine Toast-Scheibe hingeworfen, die dem Keiler nun das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Haps, weg war sie. Der Keiler lief schnell wieder in das Gebüsch zurück und stecke die Nase wieder heraus, da bemerkte ich eine weitere Scheibe Toast, hob sie auf und gab sie ihm.

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Erst noch ganz vorsichtig…

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…ging um mich herum…

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… und musterte mich.

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Der schmackhafte Toast war entdeckt

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Da muss doch noch mehr sein

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Sarina staunte „Ich dachte der greift dich an“

Der Keiler ging seines Weges und wir genossen den Abend mit gebratenen Reis und Teh Tarik.