Auf in den Bako Nationalpark
24. Januar 2015
Bako Nationalpark – Erster Versuch
30. Januar 2015
 
 

„Denke dran, dass du deine Sachen immer gut kontrollierst, bevor du sie anziehst“ sagte ich zu Sarina. Unsere Hütte im Bako Nationalpark wurde nicht nur von uns bewohnt, sondern auch von anderen Regenwaldbewohnern, die kleine Schlupflöcher nutzten, um in die feuchtwarme Behausung zu gelangen. Wir hatten in der Nacht schon bekanntschaft mit einigen Geckos gemacht, die durch laute Rufe einen potenziellen Partner anlocken wollten. Die Regenwolken hatten sich verzogen und wir wollten hochmotiviert eine Tour durch den Park machen. Als ich meine Schuhe anziehen wollte, blickten mich die 8 Augen eine Spinne an.

 

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Zum Glück hab ich die gesehen.

 

Auf den Weg zum Frühstück sprach uns ein Guide an, ob wir eine Schlange sehen wollen. Was für eine Frage!? Natürlich wollen wir! Der Guide ging mit uns ein kleines Stück vom Weg ab und zeigte uns die perfekt getarnte grüne Pit Viper. „Sie ist nicht tödlich, verursacht aber große Schmerzen“ sagte er. „Das ist gut!“ antwortete ich. „Sie hängt manchmal 2 Wochen ohne sich zu bewegen an einem Ast“ fuhr der Guide fort. „Das ist noch besser, dann bleibt sie ja noch etwas hängen“ dachte ich. Die Schlange hing schließlich nicht unweit von unserer Hütte und wir hatten schon genügend Haustiere.

 

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Es raschelte und Blätter wirbelten zu Boden. Unsere Blicke gingen sofort nach oben in die Kronen der Bäume, aus denen wir schon längst beobachtet wurden. Dicke Nasen schauten uns zwischen den Blättern entgegen.

 

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Der Bako Nationalpark ist dafür bekannt, dass man Nasenaffen aus nächster Nähe beobachten kann. Die Affen mit den imposanten Nasen und kugelrunden Bäuchen sind an Flussläufen der Mangroven- und Tieflandregenwälder verbreitet. Sie entfernen sich nur selten mehr als einen Kilometer von der Uferzone. Ihre Hauptnahrung machen die jungen Blätter der Mangrovenbäume aus, die für andere Primaten giftig sind. Ihr Verdauungssystem ermöglicht ihnen diese konkurrenzfreie Nahrung. Nasenaffen haben Bakterien im Magen, die die Cellulose in den Blättern zersetzen und die giftigen Substanzen abbauen. Der dicke Bauch ist also eigentlich eine große Gärkammer.

 

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Die Nasenaffen sprangen in den Bäumen umher, knallten lautstark auf das Dach des Haupthauses und legten zwischendurch immer wieder kleine Pausen ein, um einige Blätter zu fressen. Ein junges Weibchen war so übermutig, dass es an die Stromleitungen, die das Haupthaus mit den kleinen Besucherhütten verbindet, sprang und an ihnen herum baumelte. Die Stromleitungen sind gut isoliert, aber Halterungen an den Strommasten nicht. Das Weibchen hangelte sich an den Leitungen entlang und sprang mit einem ordenlichen Satz an den Strommast. Es gab einen lauten Knall, Funken sprühten und das Weibchen landete in einer großen Pfütze, machte aber sofort einen großen Satz an den nächsten Baum. Wir haben uns alle wahnsinnig erschrocken, genau wie die restlichen Nasenaffen. Alle Guides kamen herausgelaufen und wollten natürlich sehen was passiert war. Das junge Weibchen kletterte den Baum hoch und wurde ordentlich von dem Chef der Gruppe angebrüllt. Verletzungen konnten wir nicht erkennen. Wir hoffen mal, dass sie Glück im Unglück hatte.

 

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Den Sprung an die Stromleitungen wird das junge Weibchen so schnell nich vergessen.

 

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Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Teh Tarik, einem aus Pulver von gemahlenen Teeblättern, gezuckerter Kondensmilch und heißem Wasser bestehenden Getränk, Eiern, Reis und Obst, sollte es auf unsere erste Wanderung durch den Nationalpark gehen. Mit gepackten Kamerarucksack ging es an den Mangroven entlang, wo wir auf zahlreiche Winkerkrabben trafen. Diese Miniaturwelt erwacht zum Leben sobalt sich das Wasser zurückzieht und die Ebbe den Boden ans Tageslicht bringt. Die Winkerkrabben kommen dann aus ihren Wohnhöhlen, verteidigen ihr Revier, räumen den Platz vor der Höhle auf und gehen auf Nahrungssuche. Bei der Nahrung sind sie nicht wählerisch, es wird gefressen was sich finden lässt. So sammelt die Krabbe Pflanzenteile ein oder zerrt auch mal ein Insekt in die Wohnhöhle. Wenn langsam die Flut wieder kommt, wandern alle in ihre Höhlen, verschließen diese mit Sand und überlassen der Unterwasserwelt für die nächsten Stunden ihr Revier, bis alles wieder von vorn beginnt.

 

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Der Weg durch den Regenwald ist sehr beschwerlich. Zwar führt ein Pfad durch diesen begehbaren Teil des Nationalpark, weil es aber über Steine, Wurzel und durch Bäche vorbei an Wasserfällen ständig bergauf und bergab geht, brauchen wir fast eine Stunde pro Kilometer.

 

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Wir erreichen eine Bucht, die von einer Felswand umschlossen ist. Der ganze Boden scheint sich bewegen, denn auch hier nutzen zahlreiche Krabben und Krebse die gezeitenabhängige Ebbe. Krabben, von der Größe einer Fliege, treffen hier auf große Einsiedler-Krebse. Wir zogen unsere Schuhe aus, ließen diese und den Kamerarucksack am Strand stehen und machen zahlreiche Aufnahmen der Strandbewohner.

 

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„Überfall!!!“ rief Sarina und lief in Richtung Rucksack. Ich hatte vertieft in die Filmerei gar nichts mitbekommen und fragte was los ist. „Da war ein dicker Makake am Rucksack! Der zerrte daran rum und versuchte die Reißverschlüsse zu öffnen.“ „Ach Quatsch“, antwortete ich ungläubig. Ich hatte weit und breit keinen einzigen Makaken gesehen. „Doch! Das war ein dickes Männchen. Als er mich gesehen hat, wollte er noch schnell was klauen und lief dann weg.“ „Hat er denn was geklaut?“ fragte ich. „Er hat nur diesen Reißverschluss aufgemacht“ sagte Sarina, während sie auf das Notebookfach des Kamerarucksacks zeigte. Zum Glück hatten wir in diesem Fach nichts drin.
„Das müssen wir filmen“ war meine Idee. Ich versteckte mich hinter einem Felsen, die Kamera auf den Rucksack gerichtet. Sarina sollte am Strand entlang wandern, so dass der dicke Makake denkt, er könne ungestört Beute machen. „Irgendwie klappt das nicht“ brach ich die Aktion ca. eine Viertelstunde später ab. „Kein Wunder“ sagte Sarina, „wir werden auch schon wieder beobachtet.“ Sie deutete auf einen Felsvorsprung, auf dem einige Makaken saßen und sich wunderten, was wir zwei Experten da unten wohl trieben.

 

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Ein Makakenweibchen kam futtersuchend den Strand entlang auf uns zu und durchsuchte das angespühlte Strandgut nach Fressbarem. Ich begleitete sie ein Stückchen um zu schauen, was sie in dem ganzen angespühlten Müll finden würde. Während sie ab und zu eine tote Krabbe fand, hat sie mir ständig zu verstehen gegeben, dass es ihr Müll ist und ich mich fernhalten sollte.

 

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Wir machten uns langsam wieder auf den Rückweg durch den Regewald, als sich bei Sarinas Schuh die Sohle löste. Das wechselhafte Klima, von der salzigen Küste bis zum feuchtwarmen Regenwald, hatte den Kleber, mit dem die Sohle an den Rest des Schuhs befestigt war aufgelöst. Es dauerte nicht lang, dann viel auch die zweite Sohle ab.  Nun ging es Barfuss weiter. Ich hatte mir die schweren Trekkingstiefel Meindl Borneo gekauft, die aus Nubukleder bestehen und so ein Klima aushalten. Für Sarina wählte ich eine leichtere Version, weil schwere Schuhe schnell belasten können. Die haben den Regenwald-Test leider nicht bestanden.
Zurück im Camp, brachten wir unsere Sachen weg und machten uns erstmal frisch. Danach wanderten wir wieder in Richtung Mangroven, wo das Wasser bereits zurückkehrte, und genossen den Sonnenuntergang.

 

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Das Wasser kehrt zurück

 

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 Die Boote lagen tagsüber auf dem Trockenen, nun können wieder Waren geholt oder Passagiere befördert werden

 

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Sonnenbrand                                      Sonnenuntergang