Auf Futtersuche mit dem Keiler
14. Februar 2015
Nachtwanderung mit Douglas
24. Februar 2015
 
 

Immer wieder steckte sie ihm die Finger in den Mund und schaute was darin befand. Er hatte sich solche Mühe gegeben und fleißig gesammelt, aber nun war alles umsonst. Er ergab sich einfach. Dabei hatte der Tag so gut angefangen…

Die Sonne schien durchs Fenster und wir wurden vom Meeresrauschen und Vogelgezwitscher geweckt. Eine willkommene Abwechslung, denn es ist Regenzeit und die hat ihrem Namen alle Ehre gemacht. Wir gingen zum Frühstücken in die Kantine, in der wir die einzigen Gäste waren. Nur einige Mitarbeiter der Kantine und des Bootsservices, sowie ein Guide saßen zwei Tische neben uns. Auf der Wiese saß ein Makak und sammelte fleißig Insekten. Er schaute immer wieder zu uns herüber, versuchte es aber so aussehen zu lassen, als hätte er kein Interesse an uns. Wir beobachteten Vögel durchs Fernglas, als ein Kantinen-Mitarbeiter auf uns zu kam, laut „AAAAhhhh“ schrie und mit den Armen wedelte. Der Makak hatte den unbeobachteten Moment genutzt, um sich anzuschleichen. Er ging langsam unter den Tischen entlang, wollte uns überraschen, mit einem Satz auf den Tisch springen und mit vollen Händen flüchten. Sein Plan wurde von dem Kantinen-Mitarbeiter vereitelt und unsere Spiegeleier und der Reis waren gerettet.

Nach dem Frühstück reinigte ich die Kameraausrüstung, als wir vor der Tür lauten Krach hörten. Als wir zwischen den Vorhängen nach draußen luscherten, sahen wir wieder die große Makakengruppe, die gerade auf der Veranda randalierte. Sie warfen Stühle um, sprangen vom Geländer auf den Tisch und rissen dort die Beschichtung ab. Wir machten die Tür auf und wurden von oben bis unten von unseren Besuchern gemustert. Weil wir aber nichts zu Essen oder zu Trinken in dabei hatten, wurden wir schnell als potenzielle Überfallopfer ausgemustert und die Primaten randalierten, spielten und lausten sich weiter. Sarina beschloss, noch immer sehr angeschlagen von der Erkältung, sich wieder ein wenig auszuruhen. Ich ging raus, hob die Stühle wieder auf und setzte mich hin. Einige Makaken  sprangen in die Bäume, die gleich neben dem Haus stehen, hangelten sich die Äste entlang und steckten sich zahlreiche kleine, rote Palmfrüchte in den Mund. Auf dem Tisch saß ein Weibchen , welches gerade einen Halbstarken groomte. Immer wieder kam ein zweiter Halbstarker angesprungen und versuchte abwechselnd mich, das Weibchen oder den anderen Halbstarken zum Spielen herauszufordern. Irgendwann reichte es dem Weibchen, dass hochkonzentriert jeden Quadratzentimeter des Kleineren absuchte, und schubste den Störenfried vom Tisch und ging. Die beiden Kleinen liefen nun sich immer wieder schubsend und raufend ihrer Gruppe hinterher, die sich langsam in den Wald zurückzog.

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Ich beschloss zum Strand zu gehen und nach Krabben und Vögeln Ausschau zu halten. Der Weg führt über eine kleine Brücke, unter der die Flut gerade die spannende Welt der Winkerkrabben bedecken wollte. Weil die Krabben teilweise so klein sind, dass man mit dem bloßen Auge nicht  alle Arten erkennen kann, schaute ich sie durch das Fernglas an. Man kann sich nicht Satt sehen an diesem lebhaften Treiben. Überall wird gekämpf, gebaut oder es wird versucht ein Weibchen in die Behausung zu locken. Es gibt über 90 Arten von Winkerkrabben, die weltweit die Strände und Mangroven der tropischen Meere bevölkern. Ihren Namen verdanken sie der auffallend großen Schere der Männchen, die zum Winken eingesetzt wird. Die Winker-Schere ist viel größer als die andere, aber im Alltagsleben dafür auch manchmal sehr hinderlich. Ich habe einige Male beobachten können, dass manche Krabben nicht schnell genug vor einem Feind in eine Wohnhöhle flüchten konnten, weil die große Zange nicht so einfach hineinpasste. Dann konnte sich der Waran, Vogel oder Affe seine Beute einfach an der großen Schere aus dem Loch ziehen. Den Weibchen ergeht es da einfacher. Sie besitzen nur kleine, gleich große Scheren. Im Laufe der Evolution hat sich in der Tierwelt das Prinzip der Damenwahl als vorteilhaft herausgestellt, so dass man sich als männliches Tier etwas einfallen lassen muss. Manche Tiere stehen früh auf, singen und tanzen so schön sie nur können. Andere Tiere bauen eine schöne Behausung und überzeugen so ihre Zukünftige. Winkerkrabben-Männer winken eben.

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Es raschelte in den Baumwipfeln, während ich auf der Brücke sitzend, vertieft in meine Miniaturwelt der Krabben schaute. Überall sprangen Makaken aus den Bäumen auf den Boden. Einige nutzen die Zeit um sich vor der einsetzenden Flut ein paar Krabben zu schnappen, andere setzten sich zu mir auf die Brücke und guckten auf die futtersuchenden Artgenossen herab. Ich ging zum männlichen Oberhaupt der Gruppe und setzte mich im Schneidersitz ihm gegenüber auf den Weg. Er schaute mich gelassen an und lauste sein Bein. Ich tat das Gleiche, um Gelassenheit zu signalisieren. Plötzlich ein Schlag in den Rücken. Ich drehte mich noch immer sitzend um. Hintermir stand ein noch sehr junges Männchen auf zwei Beinen und zog eine Schnute. Er schaute sehr ängstlich aus, also drehte ich mich wieder um und widmete mich wieder meinem Bein. Zack wieder ein Schlag in den Rücken. Der Kleine schaute mich wieder ängstlich an und lief zu seiner Mutter als ich leise „Alles ok, keine Angst“ sagte. Dem Chef interessierte das alles nicht, er hatte inzwischen, vertieft in die Körperpflege, das Bein gewechselt. Bam, der dritte Schlag. Ich drehte mich wieder um und sagte nicht mehr so leise „Hast du ein Problem mit mir?“ Er sprang mit einem Satz schreiend zu seiner Mutter, die mich darauf hin schreiend und mit weit geöffneteten Mund androhte. „Ist ja ok, ich gehe ja.“ Der Chef der Gruppe war genervt von der Provokation und ging wieder auf die Brücke. Ich folgte ihm und setzte mich neben ihn auf die Brücke. Eine kleine Hand berührte mich am Rücken. Ich vermutete wieder den kleinen Frechdachs, dem es noch nicht genug war, mich zu vertreiben. Ich drehte mich um und ein Auge schaute mich an. Es war wieder das jüngere Männchen, dem ein Auge fehlte. Er setzte sich neben mich und versuchte die Seitentasche meiner Hose zu öffnen. „Da ist nichts drin“ sagte ich als ich die Tasche öffnete. Jetzt saßen wir zu Dritt entspannt auf der Brücke und schauten wie unter uns die Flut das Wasser zurück brachte.

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Aufbruchstimmung. Die Makaken zogen langsam weiter und das verkundeten sie lautstark. Der Chef und ein Auge sind bereits weiter und auch der kleine Frechsdachs lief zusammen mit seiner Mutter an mir vorbei. Den Schluss der Gruppe bildeten ein paar Halbstarke, die wieder vertieft in Raufereien, fast den Anschluss verloren. Ein weiteres Weibchen kam angelaufen und schnappte sich einen der Jüngeren. Ich dachte erst, sie wolle ihn noch ein wenig groomen, aber ich irrte mich gewaltig. Makaken gehören zu den so genannten Backentaschenaffen, welche in ihren Backen in feinster Hamstermanier Futter lagern können. Somit können sie an einen Baum springen und sich den ganzen Mund voller kleiner Früchte stecken und sich diese danach an einem ruhigen Ort schmecken lassen. Das Weibchen wollte den Jüngeren nicht lausen und kraulen, sondern seine mühevoll gesammelten Köstlichkeiten rauben. Er wurde zu Boden gedrückt, sie steckte ihre Finger in seinen Mund und pulte jedes einzelne Fruchtstückchen und jeden Kern, den der Kleinere in den Backentaschen hatte, heraus. Er konne es einfach nr über sich ergehen lassen.

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Nach einiger Zeit kam Sarina den Weg entlang geschlendert. „Was machst du denn hier?“ wollte ich wissen. „Na ich muss schauen, ob es dir gut geht oder ob die Makaken dich schon verschleppt haben.“