Nachts im Dschungel von Lambir Hills
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Wir stiegen aus dem Bus aus, kauften uns ein wenig Obst und Gemüse und fragten uns, wie es jetzt eigentlich weiter gehen würden. Der Bus hielt an einem Rastplatz direkt an der Hauptstraße, unser Ziel war aber der Niah Nationalpark und der lag Abseits des Weges. Wir hatten in einigen Reiseberichten gelesen, dass man ihn nur per Anhalter erreichen würde. Wir sahen uns schon mit einem Pappschild an der Straße stehen, eingenebelt vom Staub der vorbeifahrenden Autos. Und das Problem war, wir hatten weder Pappe noch Stift um uns ein Schild zu basteln. Keine gute Voraussetzung. In Deutschland steht man selbst mit beeindruckend schicken Pappschild und freundlich lächelnd manchmal mehrere Stunden bis ein Auto hält. Aber Malaysia ist nicht Deutschland und eines hatten wir bis hier hin schon gelernt: In Asien geht immer was!
Und das bestätigte sich nach kurzer Zeit wiedermal. Sarina kam gerade mit ihrem Beutel voller Bananen, Gurken und Limetten von den kleinen Marktständen an der Straße wieder, da wurden wir von einem Mann gefragt, ob wir Hilfe brauchen würden. Zwei Ausländer, die ratlos auf einem Rastplatz gelandet sind und orientierungslos in der Gegend umher gucken, begegnet man in Deutschland mit sehr viel Skepsis und helfen würden die Wenigsten. Zu unserem Glück hilft man in Asien sehr gerne. Wir wurden unzählige Male mit dem Auto irgendwo hingefahren, ohne das wir Geld bezahlen sollten. Die Menschen wollten immer nur ein bisschen was über uns erfahren und waren immer wieder fasziniert über unser Leben im Deutschland. Und so kamen wir auch diesmal ohne Probleme an unser Ziel.

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Auf Nahrungssuche! Ein leerer Rastplatz ist der Horror. Zum Glück muss man in Asien nicht verzweifeln!
DSCN9395bDas schöne auf Reisen ist, dass man immer wieder nette Menschen kennenlernt!

Wir wollten uns nach dieser längeren Anreise unbedingt noch den Dschungel ansehen und ein bisschen Energie tanken. Unsere Rucksäcke stellten wir im Gästehaus ab, schnappten uns Wasser und die Kamera und gingen zum Boat Jetty. Um in den Wald zu gelangen, musste man einen Fluss überqueren. Wir überlebten diese halsbrecherische Fahrt zum Glück unverletzt und mit trockenen Sachen, aber die Beine zitterten noch immer beim Gedanken daran. Aber jetzt mal im Ernst. Woanders hätte man mit Sicherheit eine einfache Brücke über den Fluss gebaut. Hier aber nicht. Und das ist auch gut so. Solche simplen Jobs, wie Leute über den Fluss zu bringen, schaffen Arbeit für viele Locals und das ist äußerst wichtig. Sie leben, genau wie der Wald und die Tiere, seit Jahrhunderten in dieser Gegend und gehören zur Umwelt dazu.

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Nach 20 Sekunden ist man auf der anderen Seite. Aber Vorsicht: Hier leben auch Krokodile!

Der Weg zu den eigentlichen Attraktionen dieses Ortes schlängelte sich als Bretterweg durch den dichten Dipterocarpwald. Folgt man diesen Weg, gelangt man zu den Niah Höhlen und ihren interessanten Geschichten. Es war ein heißer Tag und bei über 90% Luftfeuchtigkeit läuft einem das Wasser in Strömen vom Körper. Die Sonne und die Stechinsekten sind unsere größten Widersacher, deshalb sind Sonnencreme und Insektenspray neben dem Wasser unsere wichtigsten Begleiter. Man könnte vermuten, dass man keinen Sonnenbrand bekommt, solange man unter dem schützenden Blätterdach des dichten Dschungels wandert, aber da irrt man gewaltig. Und eventuell hat das schmerzliche Folgen. Wir haben schon einige Wanderungen unternommen, bei denen wir die Sonne nur mal durch die Blätter blinzeln gesehen haben, und trotzdem hatten wir danach schlimme Verbrennungen. Die Sonne findet ihren Weg.
Der Wald war so feucht, dass wir immer wieder belustigt auf dem Bretterweg ausrutschten. Immer wieder sahen wir schöne Vögel, die ihre Position durch herrlichen Gesang verrieten, verschiedene Hörnchen, die durch lautes Meckern Eindringlinge aus ihrem Revier vertreiben wollten, und kleine Echsen, die sich fast perfekt tarnten. Lianen schlängelten sich durch die Luft zu den Bäumen und wickelten sich um diese. Dieser Dschungel war grandios.

DCIM100GOPROUndurchdringliches Grün

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Weggefährten

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Die Liane ist übrigens keine eigene Art sondern lediglich ein Sammelbegriff für verschiedene Kletterpflanzen, die alle im Boden Wurzeln schlagen und sich irgendwelche Hilfsmittel wie Bäume oder Gebäude zu Nutze machen, um ganz nach oben ans begehrte Licht zu kommen. In Deutschland könnte man also einige Wein-, Rosen-, oder Efeugewächse als Liane bezeichnen. Die “Dschungel-Liane“ ist in der Regel sehr holzig, kräftig und einige Arten können sogar Luftwurzel ausbilden. Es kann schon mal vorkommen, dass eine Liane bis zu 300 Meter lang wird. Und um diese riesige Pflanze zu versorgen, reichen die kleinen Wurzeln ganz am Anfang der Kletterpflanze nicht aus. Deshalb kann sie Wurzeln bilden, die irgendwo vom endlos scheinenden Stamm bis zum Boden wachsen und dann die Liane mit “Lebensmitteln“ versoren.

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Ein Guide wollte uns auf einer Wanderung mal einen Witz erzählen:

Guide: Wollt ihr einen Witz hören?
Wir: Jaaa!
Giude: Wisst ihr warum Tarzan nicht hier gelebt hat?
Wir: Nö!
Guide: Weil die Lianen zu hart sind!
Wir: ???

 

Das faszinierende an diesem Wald waren neben den Pflanzen und den Tieren, die mystisch anmutenden Felsformationen. Als hätten sich diese natürlichen Skulpturen aus dem Boden gegraben, um ihren Platz zwischen den Bäumen einzufordern. Spannend!
Direkt neben dem Bretterweg stehen ab und zu einige Benuang-Bäume, dessen stützpfeilerartige Auswüchse für zusätzlichen Halt in diesen sumpfigen Boden sorgen. Einheimische haben uns mal gezeigt, wie ausgezeichnet man diese Pfeiler als Trommel einsetzen kann, sofern man ein Rhythmusgefühl besitzt. Der nasse Boden entwässert sich in dem kleinen Bachlauf der Sungai Subis genannt wird (Sungai = Fluss). Immer größere Felsmonumente graben sich aus dem Boden bis sie zu einer richtigen Felswand werden.

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Benuang-Baum mit Stützpfeilern. Andere Pflanzen nutzen den Kalkstein für Stabilität.

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Wie eine mystische Tempelanlage erstreckt sich immer wieder der Limestone-Felsen.

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Am Sungai Subis vorbei erreichen wir eine gigantische Felswand

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Ein Blick auf den Gunung Subis, der einige Höhlen in sich versteckt.

Wir haben den Gunung Subis erreicht (Gunung = Berg) und die erste Höhle konnten nicht mehr weit sein. Die Felswand wurde immer mächtiger, Pflanzen nutzen jede kleine Niesche um Wurzeln zu schlagen und wir sahen bereits erste Vögel, die in schwindelerregender Höhe winzige Löcher nutzten, um in die Höhle zu gelangen. Wir standen vor einem riesigen Höhleneingang, dessen Stalaktiten wie spitze Zähne wirkten. Unsere Herzen klopften und wir konnten es kaum erwarten, in die faszinierende Unterwelt einzutauchen.