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Zurück im Bako Nationalpark
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Die bekanntesten Tiere Borneos, und auch einer der Hauptgründe unserer Reise nach Malaysia, sind die Orang Utans. Die rothaarigen Waldmenschen sind so bedroht, dass wir ihr wahrscheinliches Aussterben in der Natur, zumindest aber den Zusammenbruch des Gen-Pools, miterleben werden. Auch hier im nordwestlichen Teil Borneos waren Orang Utans mal weit verbreitet, jedoch diente diese Region, die über den Sungai Sarawak direkt mit dem Südchinesischen Meer verbunden ist, schon früher als andere Regionen, unter anderem Händlern und Holzfällern als neuer Siedlungsort. Das geschlagene Holz, Handarbeiten, Gewürze und Nahrungsmittel konnten über die Flüsse, hinauf aufs Meer in alle Länder befördert werden. Der Lebensraum für Orang Utan, Nasenaffen und andere Tiere wurde immer weiter dezimiert und es gibt im Staat Sarawak lediglich ein paar kleine Schutzgebiete, in denen die Tiere und die Pflanzen ohne den Menschen leben können. Diese Schutzgebiete sind leider meistens kleine Rettungsinseln in einem Meer aus Städten, Siedlungen und Straßen, die keine Verbindungen zu lassen. Wir wollten uns einen Eindruck davon machen, wie die Menschenaffen in einem dieser Schutzgebiete leben.

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Noch etwas Müde saßen wir am Morgen im Bus.

 

Das Naturschutzgebiet Semenggoh, welches nur unweit er Stadt Kuching gelegen ist, hat eine Fläche von 653 ha und ist damit zweimal so groß wie Bremen, Dresden oder München. 1975 wurde das Semenggoh Wildlife Centre inmitten des Schutzgebietes gegründet. Es hatte die Aufgabe verletzte oder verwaiste Tiere, sowie Tiere aus längerer Gefangenschaft, zu rehabilitieren, so dass sie wieder in das Schutzgebiet ausgewildert werden können. Das Programm war erfolgreich und es konnten zahlreiche Säugetiere, Vögel und Reptilien versorgt und ausgewildert werden. Es konnten so viele Orang Utans rehabilitiert und in das Waldreservat entlassen werden, dass die Kapazität schnell erreicht war.

In der Regel sind Orang Utans Einzelgänger, die allerdings gelegentlich auch in kleinen Gruppen von bis zu fünf Tieren durch den Wald streifen können. Diese Lebensweise liegt wie bei vielen Einzelgängern an der Knappheit der Lebensmittel. Ein Orang Utan durchstreift täglich ein riesiges Waldgebiet, um genügend Nahrung zu finden. Während der Regenzeit, die im Moment herrscht, ist der Wald voller Früchte. Dieser reich gedeckte Tisch kann dann auch in Gesellschaft verspeist werden. Ein weiterer Grund, welcher ein einzelgängerisches Leben überhaupt erlaubt, ist der Mangel an großen Beutegreifern. Es gibt zwar einen fossilen Zahnfund, der beweist das es einmal Tiger auf Borneo gab, dies liegt allerdings lange zurück und Waldmenschen auf Borneo konnten ihre Lebensweise anpassen. Die nächst größte Raubkatze, der Nebelparder, kann jungen oder schmächtigen Orang Utans gefährlich werden, ist aber selbst so selten, dass sie keinen Einfluss auf den Bestand der Waldmenschen hat. Heute leben über 20 der roten Waldmenschen in dem Schutzgebiet, die sich sogar selbst vermehren.

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Am Morgen fuhren wir mit schwer bepackten Kamerarucksack in Richtung Semenggoh. Weil Fruchtsaison ist, rechneten wir uns keine guten Chancen aus, überhaupt einen Orang Utan zu sehen. Im Inneren hat man aber trotzdem immer ein Quäntchen Hoffnung parat, möchte es aber gar nicht laut aussprechen. Nachdem wir vom Busparkplatz über einen Kilometer zur Fütterungsplattform gelaufen waren, sahen wir wie ein Guide die Schaufütterung vorbereitete. Diese festen Fütterungszeiten sind eine gute Möglichkeit den Einheimischen und den Urlaubern diese wundervollen Tiere näher zu bringen. Die Orang Utans wandern tagsüber durch den Wald, wissen aber genau, dass 11 Uhr und 15 Uhr ein paar leckere Früchte auf die Fütterungsplattform gelegt werden, die man sich einfach schnell holen muss, ohne lange zu suchen. Wir konnten schon oft beobachten wie perfekt innere Uhr der Tiere funktioniert. So auch heute. Mit zehn Minuten Verspätung kam eine Orang Utan-Dame mit Halbwüchsigem zielstrebig durch die Bäume gehangelt. Ich stellte das Stativ auf, schraubte das Mikrofon auf die Kamera, positionierte diese und machte die erforderlichen Einstellungen. Ich wurde bereits von einer Gruppe der Mitarbeiter gemustert. Einer der Guide kam auf mich zu und fragte „Sind sie professioneller Filmer?“ „Nein nein, das ist nur ein Hobby“ antwortete ich. Der Guide überlegte kurz und sagte dann „Sie dürfen hier keine Videos machen, dafür brauchen sie eine offizielle Genehmigung. Aber sie dürfen fotografieren!“ Ich war enttäuscht. Wir hatten uns schon Moderationen zurechtgelegt und wollten eigentlich die Vorteile dieser „Präsentation“ in einem Video wiedergeben. Ohne Wiederworte baute ich alles wieder ab und schraubte mein großes Foto-Objektiv auf das Stativ, klickte die Kamera daran und schaute rüber zu Guides, die mich verdutzt ansahen. Die Orang Utans erreichten inzwischen die Plattform und schnappten sich als erstes die großen Stücke der Durian. Die Durian, die aufgrund ihres Geruchs auch Stinkfrucht genannt wird, ist bei den Waldmenschen sehr begehrt. Bananen sind übrigens immer die letzte Wahl. Ein Guide ging mit zwei Kokosnüssen in der Hand wieder zur Plattform und warf erst der Mutter und danach ihrem Kind ein Nuss zu. Die Mutter fing sie mit Leichtigkeit, der Kleine ließ sie jedoch ungeschickt fallen. Das Weibchen kletterte einen der Stricke, welche die Plattform mit den Bäumen verbinden, entlang und posierte kurz für die Kameras der Besucher. Die Orang Utan-Dame war bereits 43 Jahre alt, lebte jahrelang als Haustier und war sehr an die Menschen gewöhnt. Die meisten Orang Utans verwildern nach ihrer Freilassung im Schutzgebiet wieder und lassen sich selten blicken. Diese Dame allerdings präsentierte stellvertretend für alle anderen Orang Utan die Schönheit und das grazile Klettern dieser seltenen Tiere.

Nach der Fütterung war auch schon alles wieder vorbei. Die Orang Utans verschwanden in den Bäumen und alle Besucher wurden gebeten hinter die Schwanke, die die Zufahrt zum Park versperrt, zu treten. Ich war erst etwas verdutzt, weil ich dachte, dass man noch durch den Wald spazieren könnte, dem war aber nicht so. Als wir zum Busparkplatz liefen, redeten wir ausführlich darüber, kamen zu dem Entschluss, dass es wirklich das Beste sei den Park so abzuschotten und Besucher nur kurz zur Fütterung hineinzulassen. Es geht ausschließlich um den Schutz der Tiere. Es ist ihr Wald und wir haben uns bereits genug davon genommen.

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