In Asien geht immer was!
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Das Klima änderte sich schlagartig als wir die Höhle betraten und sofort überkam uns das Gefühl des Erforschens und Entdeckens. Überall könnte noch etwas sein, was die Archäologen vergessen hatten. Diese Idee war natürlich völliger Quatsch, denn alles wurde genau unter die Lupe genommen. In dieser ersten Höhle sind aber nicht die archäologischen Funde das Spektakuläre, sondern die lange Tradition des Sammeln von Schwalbennestern. Den Sammlern hat diese Höhle auch ihren Namen zu verdanken. Weil die meisten der Arbeiter Chinesische Händler waren, nennt man diesen Ort Trader´s Cave, Händler Höhle.

 

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Nun fragen sich wahrscheinlich die meisten Leser, wozu man denn die Nester der Schwalben sammelt. Dazu gibt es eine einfache und für manche sehr schockierende Antwort: Für chinesische Schwalbennest-Suppe. Dem Durchschnittsmenschen, der eventuell ganz gerne mal die ein oder andere exotische Köstlichkeit probiert, läuft wahrscheinlich beim Gedanken daran, eine Suppe aus Schwalbennestern zu essen, ein eiskalter Schauer über den Rücken. Die Chinesen allerdings sind ja dafür bekannt, einen höchst sonderbaren Geschmack zu haben und in allen Dingen eine heilende oder potenzsteigernde Wirkung zu vermuten. Manchmal fragt ich mich ja, wie einige Menschen auf die medizinische Wirkung einiger Pflanzen, Mineralien oder ähnliches gestoßen sind, aber die Idee, ein Vogelnest zu essen, ist völlig verrückt. Stand da mal ein kleiner Chinese irgendwo in einer Höhle und dachte sich: „Mensch, die Schwalben sehen so fit und gesund aus, das muss an diesem Nest liegen. Ich werde mal ein schönes Süppchen davon kochen, dann geht’s der Oma morgen besser und ich zeuge heute Nacht einen Sohn.“ Wahrscheinlich hatte diese Geschichte aber einen ganz anderen Hintergrund. Einige Händler zogen auf der Suche nach einer neuen Einnahmequelle durch die Länder. Sie probierten verschiedene Dinge aus, die leider nicht den gewünschten Erfolg brachten. Weil aber Medizin und Potenz in Asien eine große Rolle spielen, probierten sie einfach mal die Schwalbennester aus, schließlich gab es viele Höhlen mit Millionen Schwalben. Sie fanden genügen Abnehmer und verdienten sich eine goldene Nase. Soweit meine Theorie. Weil das Geschäft boomte, sah es aber bald schlecht um die Schwalben aus. Wenn denen das Nest geklaut wird, bauen sie zwar wieder ein Neues, sie kommen aber nie zum eierlegen oder brüten.
Das Nest wird übrigens nicht aus gesammelten Federn, Moosen oder Zweigen gebaut – das würde ja nun auch wirklich nicht schmecken – , es wird aus nichts geringeren als dem Speichel des Vogels gefertig. Mit dieser eiweißreichen Spucke, die auch als Nestzement bezeichnet wird, baut die Schwalbe dann ihre halboffene Höhle irgendwo in schwindelerregender Höhe.
Uns erzählte mal ein Einheimischer, dass 1 Kilo Schwalbennest bis zu 15.000 € bringen kann. Die Arbeit als Schwalbennest-Sammler rentiert sich also, aber es ist definitiv kein schönes Leben.
Auf dem ganzen Weg durch die Höhle konnten wir kein weißes Nest aus Speichel finden. Sie liegen wahrscheinlich schon irgendwo auf einem Teller.

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Dieses ist ein typisches Nest der Schwarznestsalangane, welches aus Zweigen, Moosen, Federn usw. besteht. Diese Nester werden zwar auch als Delikatesse verkauft, sind aber lange nicht so begehrt wie die Nester der Weißnestsalangane. Ein reines „Spuckenest“ konnten wir nicht finden.

 

Ähnlich wie zum großen Goldrausch nach Alaska, stürmten viele Menschen in die Höhlen Borneos, um auch ihr Stück des schnellen Reichtums abzubekommen. Die Konkurrenz war groß und deshalb verbrachten die Sammler Tag und Nacht in der Höhle. Sie bauten einfache Hütten ohne Dach in die Trader´s Cave, arbeiteten hart und lange.

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Schwer vorstellbar, aber wahr! Die Schwalbennest-Sammler lebten in diesen einfachen Hütten inmitten von Kakerlaken!

Wir schauten uns die Holzgerüste an und konnten nur erahnen, wie viele Menschen hier einmal gelebt und gearbeitet hatten. Manchmal waren drei Hütten übereinander gebaut. Die Sammler kletterten einfach an den Balken bis zu ihrer Etage empor. Obwohl diese Holzbalken seit vielen Jahrzehnten diesem schlechten Klima ausgesetzt sind, sehen sie noch hervorragend aus. Diese Konstruktionen wurden aus sehr harten Eisenholz und ohne Nägel gefertigt. Es ist beeindruckend, dass sie so viel Zeit überdauern konnten. Bei einigen Hütten konnte man Rußstellen an der Decke bemerken, die von einer Kochstelle zeugten. Es war wahrlich kein einfaches Leben. Es musste absolut unhygienisch und gefährlich gewesen sein. Ein Badezimmer gab es nicht. Sie mussten alle raus an den Sungai Subis wandern, um sich zu waschen oder um zu trinken. Abstürze waren auch an der Tagesordnung. Die Sammler kletterten an einfachen Holzstangen oder Leitern bis zu 80 Meter an die Decke der Höhle. Einmal nicht aufgepasst und schon war eine Hütte und ein Job frei. Verrückt.

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Wir wanderten noch eine ganze Zeit durch die Trader´s Cave, rutschen hier und da mal auf dem feuchten Boden aus und vielen hin, amüsierten uns aber königlich. Das richtige Höhlenabenteuer mussten wir aber auf den nächsten Tag verschieben, denn es wurde bald dunkel und wir mussten das letzte Boot erwischen. Als wir nach der Wanderung wieder am Bootsanleger ankamen, erzählte uns der Fahrer, dass doch eine Brücke über den Fluss geplant ist. Wir waren etwas betrübt über diese Nachricht. Klar, die Brücke wird gebaut und die Bauarbeiter haben kurze Zeit Arbeit. Alles wird einfacher. Aber es hätten viele Einheimische über Jahre Arbeit, wenn sie auch weiterhin mit dem Boot übersetzen würden. Jeder Tourist zahlt 1 Ringgit pro Fahrt. Die 50 Cent (2 Ringgit) für die Hin- und Rück(reise) bringen jedoch bei vielen Touristen eine gute Summe für die Familie.
Die Welt verändert sich auch hier!

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Einige Höhlenbewohner konnten sich über einen Sonnenplatz mit schönen Blick ins Freie freuen.

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Andere Höhlenbewohner hatten nur einen Platz im Freien und konnten in die düstere Trader´s Cave schauen. Schön an der frischen Luft und bei Monsumregen hat man ein gratis Erlebnisbad!
IMG_0701Da hat wohl einer der Sammler einen kalten Fuss bekommen!
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Oben an der Decke erkennt man noch einzelne Balken, an denen man hoch zu den Nestern geklettert ist.

Übrigens: Auch ein Chinese mag nicht alles. Und deshalb gibt es nicht nur Schwalbennest-Suppe, sondern man kann diese garantiert unsterblich machende Wirkung der Schwalbenspucke glücklerweise auch in Bon-Bon, Tee oder einfach getrocknet zum knuspern erleben.

UnbenanntNeu im Kühlregal! Der Schwalbennest-Drink! Macht unsterblich und verleiht Flügel!

Würdest du mal gerne Schwalbennest-Suppe oder eine andere dieser Köstlichkeiten probieren? Glaubst du an irgendeine Wirkung? Oder findest du das alles Quatsch? Wir freuen uns über dein Kommentar!