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Die dicken Nasen von Borneo
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Das orange Baby klammerte sich fest an den grauen Bach seiner Mutter als sie an uns vorbei rannten. Die sensiblen Languren mögen das rowdyhafte Verhalten der Makaken nicht und wollten einfach nur weg. Immer wieder fällt mir auf, wie ähnlich uns die Makaken doch sind. Laut, zerstörerisch, streitend und auf den eigenen Vorteil bedacht und deshalb manchmal kriminell. Es sind Eigenschaften, die sowohl uns Menschen aber auch die Makaken beschreiben würden. Sie können aber genau wie wir auch eine sanfte, gütige Seite haben. Wahrscheinlich faszinieren mich diese Tiere, die ich vor Beginn der Reise als weniger interessant gehalten haben, wegen dieser Gegensätze. Das der heutige Tag einer anderen Primatenart gewidmet werden sollte, ahnten wir noch nicht als wir an diesem sonnigen Morgen über die Brücke, auf der ich am Vortag mit den Makaken saß, schlenderten.
Patsch Patsch Patsch hörten wir etwas durch die Mangroven stapfen. Wir gingen in die Hocke und horchten, aus welcher Richtung dieses Geräusch kam. Direkt unter uns hörten wieder ein Patsch Patch, diesmal aber viel langsamer. Was es auch war, es hörte sich größer als eine Krabbe, die winkend durch das Wasser läuft, an. Wir verharrten noch eine Weile in unserer unbequemen Position, als sich endlich etwas bewegte und wir das Tier erkannten, welches bei uns für solche Spannung sorgte. Ein Waran suchte in Ruhe nach ein paar Krabben oder Schlammspringern, die er sich genüsslich schmecken lassen wollte. Unser Spaziergang hatte seine Pläne durchkreuzt.

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„Schau mal nach oben“ sagte Sarina. Meine Augen wanderten in den Bäumen umher, konnten aber nichts entdecken. „Das sind Silberlanguren“ ergänzte Sarina und zeigte mit ausgestreckten Zeigefinger in die Krone der Bäume. Nun konnte auch ich sie erblicken und meine Hand, die nebenbei schon blind die Kamera positionierte, drückte auf den Auslöser. Das silbergraue Fell der Affen wurde von den Blätter bestens bedeckt.

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Plötzlich hörten wir rascheln in den Bäumen und lautes Geschrei. „Oh nein, Makaken!“ sagte Sarina. „Magst du sie noch immer nicht, obwohl ich gestern so einen schönen Tag mit ihnen hatte“ grinste ich schadenfroh. Die Silberlanguren sprangen ein paar Bäume weiter, auch sie schienen die Makaken nicht besonders zu mögen. Nun waren die Makaken deutlich sichtbar. Es war die Gruppe vom Vortag und ich begrüßte sie. Sie tobten und rangelten schon wieder, stopften sich ihre Backentaschen mit Palmenfrüchten voll und kamen uns und den Languren hinterher.
„Schau mal da“ sagte Sarina und zeigte auf einen Langur. Er saß auf einem Zaun, der rund um eine Satellitenschüssel gezogen wurde, zupfte ein paar Blätter ab und aß diese. „Da muss ich hin!“ sagte ich wild entschlossen. Ich ging auf den Langur zu und hörte plötzlich lautes Geschrei. Als ich mich erschrocken umdrehte, sah ich die ganze Gruppe der silbernen Affen panisch auf mich zu laufen. Als sie ihr Ziel, den Zaun der Satellitenschüssel erreichten, viel die Panik von ihnen ab, sie atmeten durch und zupften Blätter. Ich nutzte die Zeit um einige Aufnahmen zu machen.

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Nach einiger Zeit raschelte es wieder im Baum gegenüber. Alle Augen, sowohl unsere als auch die der Languren, waren nun auf den Baum gerichtet und warteten darauf, dass sich zeigen würde wer dort durch die Äste schleicht. Plötzlich ging alles wieder ganz schnell. Ein weiterer Lagur sprang aus den Geäst hervor, rannte an uns vorbei und sprang auf den Zaun. Das orangene Jungtier klammerte sich fest an den Baum der Mutter und ließ erst locker, als sie sich in der sicheren Umgebung der Gruppe befanden.

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„Weißt du warum das Baby orange ist?“ fragte ich Sarina. Sie überlegte kurz und antwortete „Es ist noch nicht ganz geklärt warum es orange ist. Vermutet wird aber, dass es in der Gruppe besser als Baby erkannt wird und die Mutter von den anderen Gruppenmitgliedern beim Tragen und Aufpassen unterstützt wird. Es wird einfach mehr Rücksicht genommen, bis das Kleine nach ca. 3 Monaten umfärbt.“ „Es gibt aber noch mehr Theorien“ warf ich ein. „Es könnte sein, dass die orange Farbe eine Art Tarnung ist. Es hört sich etwas weit hergeholt an, könnte aber wirklich stimmen. Ein Räuber lauert evtl. den zahlreichen grauen Leckerbissen auf und achtet gar nicht auf den kleinen orangen Farbklecks, der auch eine Blüte sein könnte. Andere vermuten, dass das leuchtende Orange es einfacher für die Mutter macht, ihr Baby im Auge zu behalten wenn es auf Erkundungstour geht.“ Von der dritten Theorie konnten wir uns in dem Moment überzeugen. Das Jungtier versuchte mit allen Mitteln von der Mutter wegzukommen, um genau wie die älteren Jungtiere, spielen zu können. Für uns steht jedoch fest, dass es wahrscheinlich eine Mischung aus allen Theorien und noch mehr Faktoren ist, weshalb das Baby orange ist.

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Nach und nach sprangen die Languren an die Satellitenschüssel und dann in den nächstgelegenen Baum. Ich wollte unbedingt hinterher um gute Aufnahmen von den Languren zu machen. Also stiegt ich ins Gebüsch und näherte mich den Primaten, die es sich mittlerweile in den Ästen bequem gemacht haben.

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Ich wurde regelrecht von den Moskitos aufgefressen, was aber nur halb so schlimm war. Schlimmer war, dass ich in einem Ameisenbau stand und mir die großen Soldaten andauert in die Füße und Beine bissen. Es war aber all die Strapazen wert, denn die Languren kamen bis auf zwei Meter an mich heran. Ich konnte sogar beobachten, wie eine Mutter ihr Jungtier trinken ließ und dabei einschlief.

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Sarina wanderte derzeit ein Stückchen weiter, weil sie von jeden Wanderer der vorbei kam gefragte wurde, ob wir professionelle Tierfilmer seien.

Ich blieb noch bis es dunkel wurde am Füße des Baumes stehen und genoß die Zeit mit den Silberlanguren.

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