Die dicken Nasen von Borneo
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Allein im Similajau-Nationalpark
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Während einer längeren Reise legt man lange Strecken zurück, sieht viele Orte und schläft in vielen Betten. Asien hat viele unterschiedliche Wohnstile zu bieten. Von großen, angenehmen Räume mit sauberen Bädern bis zur Schuhschachtel mit Erlebnisbad für Schaben und anderes Getier ist alles dabei. Nach einer langen Busfahrt braucht man keinen besonderen Komfort. Man hofft nur auf ein weiches Bett, ein sauberes Bad, das Wasser aus der Leitung kommt und der Raum nicht zu stickig ist.
Wir verließen Kuching in Richtung Osten. Unser Ziel, Bintulu, die Stadt in der die größte Gasverflüssigungsanlage der Welt für viele Jobs und Wohlstand sorgte, war nicht gerade ein Ort, den Naturfreunde aufsuchen. Wir hatten auch nicht vor lange zu bleiben und wollten lediglich die Nacht hier verbringen, um früh am Morgen zum Similajau-Nationalpark weiter zu fahren. Also buchten wir die günstigste Unterkunft die wir finden konnten. Für nicht mal 9€ versprachen die Fotos auf der Internetseite ein ganz passables Zimmer.
Nach fast 13 Stunden im Bus erreichten wir den außerhalb der Stadt liegenden Busbahnhof und wurden beim Aussteigen von zahlreichen Taxifahrern angesprochen. „Taxi? Yes?“ ist immer die gängige Frage, die einem von ca. zehn Leuten gleichzeitig entgegen gerufen wird, während man hofft, dass das Gepäck noch da ist. „Yes, wait a minute!“ bat ich die Fahrer zu warten bis ich unsere Rucksäcke aus den Kofferraum des Busses holte. Die Kofferräume der Busse sind stets eine Überraschung. Mal lagern Reissäcke oder stinkende Durian-Früchte, mal sind Styroporboxen oder Käfige mit Tieren drin. Manchmal bekommt man sein Gepäck unversehrt und freut sich, ein anderes Mal hat man Pech und der Rucksack ist nass und riecht nach Fischsoße oder Benzin. Dieses Mal ging wieder alles gut. Ein Taxifahrer nahm uns gleich einen Rucksack ab und somit entschied sich unsere Wahl des Chauffeurs. Wir nannten den Namen unseres Hostels und der Taxifahrer sagte uns, dass die Fahrt 20 Ringgit kosten würde. Wir prüfen immer vorher die Entfernungen im Internet und weil unser Routenplaner uns mitteilte, dass wir ungefähr 20 Minuten unterwegs sein würden, waren die umgerechneten 5 € völlig ok. Wir stiegen ein, machten es uns auf der Rückbank bequem und schauten auf das erwachende Nachtleben von Bintulu. „Ok, wir sind da“ holte uns der Fahrer aus den Gedanken, nachdem er einmal um den Block gefahren ist. Hääh!? Wir guckten aus dem Fenster und waren völlig irritiert, als wir unsere Unterkunft erblickten. Der Fahrer lächelte als er uns die Rucksäcke übergab. Warum auch nicht, er hatte gut verdient.

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Auf einem typischen Busparkplatz

„Hallo, wir haben ein Zimmer gebucht.“ Der Mitarbeiter, der hinter den Empfangstresen eingezwengt sitzend auf seinen Bildschirm starrte, reagierte nicht. Er war völlig vertieft in sein Videospiel und wir nutzten den Moment seiner geistigen Abwesenheit, um zu spekulieren wie er hinter diesen Tresen gekommen ist. Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder er kletterte über den Tresen, der immerhin eine Höhe von 1,6m hatte, oder er kroch durch das kleine Loch im Fussbereich. Weil Malaysier bis in hohe Alter arbeiten müssen, sind die meisten ziemlich fit und unser Videospieler wird mit Sicherheit eine Lösung finden.
„Habt ihr gebucht?“ fragte er uns gelangweilt. Sein Spiel war wahrscheinlich game over und er konnte sich nun Zeit für seine Gäste nehmen, bevor er nochmal sein Glück versuchte. Wir bezahlten, erhielten den Schlüssel und gingen rasch die kleine Treppe hoch, um endlich duschen und entspannen zu können. Als wir die Tür zu unserem Zimmer öffneten, kam uns ein unsagbar muffiger Geruch entgegen. Das Zimmer hatte kein Fenster und nur ein kleines Lüftungsgitter in der Tür sorgte für einen Luftaustausch. Das ganze obere Stockwerk war ein großer Raum, in dem man ein Metallgestell gebaut und mittels daran genieteter Metallplatten kleine Räume geschaffen hatte. Ich fühlte mich in die Zeit zurückversetzt, als mein Vater an den Aida Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hatte. Er brachte damals unter anderem die Wandverkleidung im untersten Deck des Schiffes an. Ich half ihm damals und trug die Metallplatten, die später die Wände der Serviceräume für Wäscherei und Co. werden sollten, ins Innere des Schiffes. „Die Mitarbeiter auf den Schiffen sehen tagelang kein Sonnenlicht und wir müssen nur eine Nacht überstehen“ versuchte ich mir wie immer die Situation positiv zu stimmen.
In der Nacht wurden wir von lauten Tippeln geweckt. Die Ratten, die auf den Metallplatten diese lauten Geräusche hinterließen, hatten sich scheinbar in den Zwischenwänden ihre eigene Welt geschaffen und wurden nun aktiv. Immer wieder schliefen wir erschöpft ein und wurden daraufhin von den Nagerspaziergängen geweckt. Als gegen 4 Uhr morgens laute Röchel- und Spuckgeräusche durch unser Lüftungsgitter dragen, waren wir schon total gerädert. Irgendeiner putzte sich gerade die Zähne an der Waschrinne, die gegenüber unserer Zimmertür lag. Es folgten noch einige Andere, die sich ausgiebig um ihre Mundhygiene kümmerten. Wir schliefen aber zum Glück vor Erschöpfung ein.

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