Die Reise beginnt
20. Januar 2015
Stromschlag und Überfall!!!
27. Januar 2015
 
 

„Take this“ sagte der Bootsführer und reichte uns eine alte, weiße Plane, mit der wir uns zudeckten. Er kannte sich aus und wusste, dass es jetzt richtig schlimm werden würde.

Wir hatten die letzte Nacht kaum geschlafen, weil in der Karaoke-Bar immer wieder fleißig die uns mittlerweile gut bekannten gleichen malaysischen Lieder geträllert wurden. Eines dieser Lieder muss wohl die malaiische Antwort auf Helene Fischers „Atemlos“ sein. Jeder, egal ob Mann oder Frau, möchte mindestens einmal in der Nacht den malaysischen „Atemlos“-Song singen. Deshalb kann es auch mal sein, dass zehn Mal nacheinander dieses Lied in unterschiedlich schlechter Jaulqualität erklingt. Nachdem wir unsere Sachen gepackt hatten, machten wir uns verknittert, aber hoch motiviert auf dem Weg zur Busstation in der Jalan Khoo Hun Yean (Jalan = Straße). Unser Bus der Petra Jaya Transport-Linie stand schon bereit und der Busfahrer schrie fleißig „Bako! Bako! Bakooo!“, um jeden potenziellen Fahrgast den richtigen Bus zu zeigen. Zu den Bus- und Taxifahrern in Kuching muss man sagen, dass sie überhaupt nicht aufdringlich sind. Hier wird kein Tourie in ein Fahrzeug gezerrt, wie wir es schon aus anderen Orten gehört haben.
Im Bus in Richtung Bako Bazaar, dem Ort von dem aus man mit dem Boot zum Bako Nationalpark gefahren wird, saßen einige freundliche Bewohner der umliegenden Dörfer, die nach Kuching gekommen waren, um Waren einzukaufen. Immer wieder stiegen Leute mit Reissäcken oder Trockenfisch ein und wieder aus. Während der Busfahrer uns ungefähr fünfzehn Minuten mit laufenden Motor allein gelassen hat, wahrscheinlich musste er mal dringend, begann es zu regnen.
In Bako Bazaar angekommen, mussten wir uns im Nationalpark-Büro registrieren lassen, den Eintritt von 20 Malaysischen Ringgit (etwas 5€) bezahlen und warten bis unser Boot für die Überfahrt fertig war. Als wir auf den Bootssteg gerufen wurden, stand dort bereits ein Malaie im Nieselregen und wartete das es losgehen würde. Das Boot kam angefahren, wir stiegen ein und starteten eilig. Der Regen wurde stärker, aber wir lachten und hatten jede Menge Spaß. Als uns der Bootsführer jedoch die weiße Plane gab, wussten wir, dass uns das Lachen noch vergehen wird. Plötzlich gab es einen Knall und das Boot blieb im Sand stecken. Das Ebbe war sah man deutlich an der Uferzone, dass der Wasserstand aber so niedrig war, hätten wir nie erahnt. Wir knallten noch ein paar Mal in eine Sandbank, bis der Motor irgendwann aus- und uns das Lachen wirklich verging. Der Regen wurde stärker, während der Bootsführer bemüht war, den Motor wieder zum laufen zu bekommen. Durch seine dicken Brillengläser konnte er fast nichts mehr sehen, um zwischendurch seine völlig durchnässte Zigarette gegen eine Trockene auszutauschen, reichte es aber. Der Motor lief wieder und unserer qualmender Kapitän gab ordentlich Gas. Wir preschten gegen die Wellen, welche das Boot bei jeden Aufprall für Sekundenbruchteile in die Luft beförderte. Der Kapitän hatte es jetzt eilig. Ich vermutete, dass ihm bald die Zigaretten ausgehen würden, aber es lag wohl doch daran, dass er die ganze zwanzig minütige Strecke auch wieder zurück fahren müsse.

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Alle Anderen fahren weg – wir kommen!

Vorbei an massiven Sandsteinfelsen, auf denen jeder Zentimeter der irgendwie Halt bietet, von Pflanzen als Lebensgrundlage genutzt wird, bekommen wir einen ersten Blick auf den ältesten Nationalpark in Sarawak, der 1957 gegründet wurde. Mit rund 27km² Fläche ist er auch gleichzeitig einer der kleinsten Nationalparks auf Borneo, ist aber durch seinen Artenreichtung ein gutes Reiseziel wenn man Nasenaffen und Bartschweine, das lustige Treiben der Mangrovenkrabben und Schlammspringer oder giftige Vipern aus nächster Nähe sehen will. Weil der Park schon so alt und der Tourismus gut geregelt ist, sind viele Tierarten an den Menschen gewöhnt und lassen sich aus nächster Nähe beobachten.

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„Den Rest gehen wir“ sagte unser Reisebegleiter, der mit uns diese nasse Reise antrat. Er sprang aus den Boot schnappte sich seinen Rucksack und ging durch das Knietiefe Wasser in Richtung Strand. Wir schauten uns an und mussten Lachen. Schnell zogen wir unsere Schuhe aus und hüpften ebenfalls ins Wasser. „Von wo kommt ihr“ fragte unser Begleiter. „Germany! …und du?“ antwortete Sarina. „Ich lebe hier“ erwiederte er und bekam neidvolle Blicke von uns.

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Fast geschafft!

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Dem Bootsführer zum Abschied gewunken

Als die Küste und somit auch da Hauptquatier erreicht war, mussten wir uns erneut registrieren, bekamen unsere Zimmerschlüssel und einen wichtigen Rat: „Vorsicht vor den Makaken! Lassen sie keine Türen oder Fenster auf und lassen sie nichts unbeaufsichtigt stehen.“ Das versprach spannend zu werden. Im Moment waren wir jedoch so durchnässt, dass wir einfach nur in unsere Hütte wollten, um zu schauen ob in unseren Rucksäcken noch etwas trocken geblieben ist. Wir hatten jedoch Glück, bis auf ein paar Kleinigkeiten war alles in Ordnung.

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Es klarte etwas auf und haben uns sofort auf die Suche nach unseren neuen, wilden Nachbarn gemacht. Eigentlich hatten wir erwartet, dass wir die Tür aufmachen und uns eine Horde der Langschwanz-Makaken erwarten würde, um sofort unsere Taschen auf etwas Fressbares zu kontrollieren. Aber Fehlanzeige.

Etwas weiter des Weges wurden wir dann aber von einer Rotte Bartschweine  begrüsst. Am Morgen bei eintreten der Ebbe ziehen die Bartschweine am Strand entlang, um zu schauen was das Südchinesische Meer ihnen Leckeres an den Strand gespült hat. Danach ziehen sie auf Futtersuche durch die schattigen Wälder, um der Sonne zu entgehen. Außerdem lassen die ebenfalls tagaktiven Affen regelmäßig leckere Früchte fallen. Nun, am späten Nachmittag, zogen die Schweine durch das Camp, um zu sehen ob nicht der eine oder andere Parkbewohner was Fressbares hinterlassen hat. Die Rotte bestand aus einem Keiler, einer Bache mit zwei und einer Bache mit einem Jährling. Ich bin sofort zu den Schweinen hin, während Sarina aus ein paar Metern Entfernung erstmal schauen wollte, ob ich angegriffen werde.

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„Hallo, ich bin Steffen, da hinten steht Sarina. Wir wollen euch filmen!“ sagte ich zu den Bartschweinen, während ich mich hinhockte um mit ihnen auf Augenhöhe zu sein. Das Ansprechen mit weicher, ruhiger Stimme ist sehr wichtig um ein Vertrauensverhälnis zu schaffen.

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Wir begleiteten die Bartschweine noch ein kurzes Stück, bis sie sich in den Wald verzogen.

Als wir dann an die Mangroven-Küste kamen, saß ein Nasenaffe auf einem Stamm und schaute uns an.

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Später vielen wir hundemüde in unsere Dschungelhaus-Betten und konnten es kaum erwarten wieder aufzustehen.