Zurück im Bako Nationalpark
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Mundraub bei den Makaken
20. Februar 2015
 
 

Wir wurden vom lauten Regen, der auf das Blechdach prasselte, geweckt. Die Wolken hatten sich die ganze Nacht über entleert und sorgten für Nebel, der an unseren Fenstern empor stieg. Sarina hatte starke Halsschmerzen und eine laufende Nase. Die Klimaanlage des Busses hatte ihr Werk getan und ihr eine schniefende Erkältung eingebracht.

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Nach dem Frühstück gingen wir am Strand zurück zu unserem Haus, als wir in der Ferne zwei Bartschweine auf uns zu kommen sahen. Es war eine Bache mit einem Jährling, die am Strand nach angespühlten Leckereien suchten. Eine Kokosnuss weckte ihr Interesse. Sie wurde ein bisschen herumgerollt und ausgiebig beschnuppert, dann befand die Bache die Kokonuss für doch nicht so schmackhaft und ließ sie liegen. Der Kleine kam auf uns zu und hatte großes Interesse an uns. Er schien ein kleiner, mutiger Frechdachs zu sein, denn er wollte mit uns spielen.

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Wir Vier gingen weiter den Strand entlang, als plötzlich aus einem Gebüsch ein weiteres Bartschwein auftauchte. „Hey Dicker, da bist du ja wieder“ erkannte ich den Keiler, den wir am Vorabend trafen. Er wurde freundlich von der Bache begrüsst. Der Kleine, der gerade noch neben uns stand, lief auf den Keiler zu. Dieser ließ sich fallen und der Kleine turnte auf ihn herum. Es ist eine Art grooming, ein kuscheln, welches Beziehungen stärkt. Wir haben das schon einige Male beobachten können. Der Kleine zertrampelte den Keiler regelrecht, der hinterher sehr entspannt schien.

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Der Kleine sprang vom Bauch des Keilers runter und lief seiner Mutter hinterher, die bereits weit voraus war. Wir hockten vor dem Keiler, als dieser sich zufrieden aufrichtete, tief durchatmete und dann ein bisschen benommen, aber zielstrebig in Richtung einer Kokosnuss ging. Der Fund wurde ausgiebig mit der Nase geprüft und für gut befunden. Er nahm die Kokosnuss in die Schnauze und tänzelte in das Gebüsch aus dem er gekommen war.

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In unserem Haus angekommen, beschloss Sarina, dass sie erstmal ihre Erkältung auskurieren will. Wer bei 30°C und 90% Luftfeuchtigkeit schon einmal Halsschmerzen und eine laufende Nase hatte, weiß genau wie anstrengend das sein kann. Ich packte meinen Kamerarucksack und beschloss erstmal wieder am Strand entlang zu gehen, um nach Krabben, Schlammspringern oder anderen Meeresbewohnern ausschau zu halten. Ich kam aber gar nicht dazu, denn in weiter Entfernung sah ich wieder ein Bartschwein auf Futtersuche. Als ich mich näherte, rannte schnell in ein Gebüsch. Ich ging langsam hinterher. „Mensch Dicker, da bist du ja schon wieder“ sagte ich mit ruhiger Stimme als ich den Keiler wiedererkannte. Er fraß sehr hastig an etwas, was ihm sichtlich zu schmecken schien. Während ich immer dichter auf ihn zu ging, sprach ich mit leiser Stimme „Was hast du denn da feines? Keine Angst, du musst nicht teilen.“ Als ich dann direkt vor ihm saß, sah ich was seine Gaumenfreuden auslöste. Er hatte einen großen Fisch gefunden. Der Fisch war allerdings schon eine ganze Weile tot und stank fürchterlich. Ich guckte in alle Richtungen, kratzte mich, legte den Kopf auf meine Knie und machte die Augen zu. Es sind Tricks, die ich immer anwende, wenn ich das Vertrauen eines Tieres gewinnen möchte. Blosses Anstarren verschreckt die meisten Tiere oder macht sie gar aggressiv. Es klappte. Der Keiler sah das ich ihm seine Beute nicht streitig machen wollte und es störte ihn gar nicht mehr, dass ich so dicht in seiner Nähe war. Er war richtig entspannt und ich konnte gute Aufnahmen von ihm machen.

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Es werden täglich viele Kokosnüsse an den Strand gespühlt und sie sind ein gefundenes Fressen für die Bartschweine. Mit ein bisschen Geschick und einer guten Taktik ist die begehrte Leckerei auch schnell geknackt. Zuerst muss sie aber geschält werden, was den größten Aufwand bedeutet. Dabei hat mir der Keiler seine Taktik vorgeführt. Er beisst in die Schale der Kokosnuss und streift diese mit seinem Fuss ab. Der Rest ist eigentlich ganz leicht. Die Kokosnuss hat drei Löcher, aus denen die Wurzeln wachsen, sobald die Nuss keimt. Diese Löcher, die mit einer dünnen Schale übersehn sind, macht sich das kluge Schwein zu nutze und beisst mit einem Eckzahn einfach ein Loch hinein.

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Nach einigen Stunden und einigen Kokosnüssen, die erklärten, weshalb das Schwein so wohl genährt ist, kamen wir an der Felsenküste an. Hier schaute der Keiler in einige Nieschen und Höhlen, die die Ebbe freigelegt hatte. Er fand hier und da mal eine Krabbe und trank aus den Pfützen, in denen sich das Wasser sammelte, welches den Felsen hinunter lief. Ich beschloss auch etwas zu trinken, stellte den Rucksack neben mich und holte meine Flasche raus. Plötzlich machte es patsch patsch patsch und ich sah einen Waran auf uns zulaufen. Dann ging alles ganz schnell. Der Keiler schaute mich an, ich schaute ihn an. Er hastete los und ich griff zur Kamera. Der Waran lief genau zwischen uns durch in Richtung Meer. Der Keiler versuchte ihn zu schnappten, erwischte die Echse aber nicht richtig. Immer wieder konnte er sich befreien. Dann kam eine große Welle, die meinen trockenen Platz und somit auch meinen Rucksack und mich unter Wasser setzte. In diesem Schrecken, verriss ich die Kamera. Die gleiche Welle war auch die Rettung für den Waran, denn der Keiler erschreckte sich und der Waran konnte in eine schmale Felsspalte entkommen. Da waren wir zwei Helden. Gut das uns keiner gesehen hat, wie bedröppelt wir aus der Wäsche schauten. Ich, weil ich die Aufnahme verwackelt hatte, und der Keiler wurde um sein leckeres Mal gebracht. Die Flut kommt wahnsinnig schnell. Ebend war das Wasser noch 5 Meter weg und eine Welle später sind die Schuhe nass. Wir zogen beide unseres Weges. Der Keiler ging durch ein Gebüsch wieder in den Wald und ich machte mich auf den Weg zum Haus um etwas zu essen. In den vergangenen fünf Stunden, in denen ich mit dem Keiler unterwegs war, hatte er gut gespeist, mir blieb lediglich meine Flasche Wasser.

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Am späten Nachmittag beschloss ich noch eine Wanderung auf die Felsenküste zu machen. Die Aussicht sollte klasse sein und es war kein Anderer auf diesem Trail unterwegs. Die Streckenangabe war lediglich 800m, ich wusste aber schon, dass es wahrscheinlich nur bergauf gehen würde. Bei diesen Temperaturen ist es wirklich anstrengend, aber die Aussicht entschädigte alles.

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